

Jason der Spielzeugmacher, die Vorgeschichte
Der scharfe Geruch von Blut drang in seine Nase, und das Unangenehmste war der zierliche Körper eines kleinen Mädchens, der sich nicht mehr bewegte. Ihr letzter Atemzug hatte sich schon vor einigen Minuten aufgelöst, als diese dicke, rote Flüssigkeit sich langsam über den Boden ausbreitete. Es war alles so schnell gegangen: sie hatte versucht zu lügen, ihn zu betrügen, und als es in einen kleinen Streit ausartete, veränderte nur ein einzelnes Ziehen an ihrem Arm ihrer beider Leben. Der Verlust ihrer Balance, die Möbelecke und zum Schluss die Stille.
Es war nicht meine Schuld, dachte Jason, es war ein grauenhafter Unfall!
Er stand auf einem Fuß vor der Leiche des kleinen Mädchens, atemlos. Und die einzigen Zeugen des Unfalls waren die Puppen, die er gebaut hatte, die sie beide umgaben. In dem Laden waren nur noch er und die Leiche.
Als Jasons Blut wieder anfing zu zirkulieren, wurde ihm bewusst, dass er eine Lösung finden sollte, und nicht einfach so herumstehen konnte, ohne etwas zu tun. Aber die Situation war viel zu kompliziert.
„Sie werden mich hinter Gitter bringen, und den Schlüssel wegwerfen“, er wurde verzweifelt. „Ich - ich bin kein Assassin! Ich wollte nur mit ihr schimpfen. Sie hat versucht, mich anzulügen, mit einer kaputten Puppe, um eine neue zu bekommen!“, er drehte sich leicht, zurück auf die Leiche schauend. Dieses Mal war es ein beschuldigender Blick. „Es war alles deine Schuld!“, schrie er aufgebracht, „Das ist alles nur wegen dir passiert!“
Er beschloss den Unfall zu verstecken. Das Erste was er tat, was den Laden zu schließen, sodass niemand mehr eintreten konnte. Er nahm das kleine Mädchen mit in die Werkstatt, in der er die Spielzeuge, die alle Kunstwerke nannten, kreierte, herstellte, und legte sie auf den Arbeitstisch. Der scharfe Geruch von Farbe hing in der Luft, aber war nicht genug um weder den Geruch von Blut, noch die Gräueltat, die soeben geschehen würde, zu überdecken.
Jason stützte seinen Kopf in seine Hände. Seine Finger gruben sich in seine mahagonifarbenen Haare, und er zwang sich nach einer Lösung zu suchen. Sein Blick fiel auf eine schlangenförmige Puppe, die auf dem Boden herumlag. Eine seiner ersten Kreationen, nach diesem ungewöhnlichen Zufall. Und als wäre Magie im Spiel, wurde ihm alles klar. Er musste sich keine Sorgen machen.
Er nahm die Handsäge und ging näher an den Körper heran. Sonst nutzte er die Säge, um Holzstücke, die er für einige Spielzeuge benötigte, zu sägen, aber nicht heute.
Jason atmete tief ein. Sein Körper zitterte, sein Herz pochte so schnell, es war schon schmerzhaft. Er hob die Säge und schloss seine Augen, nicht sehen wollen, was grausames gleich geschehen würde.
Fünf Stunden später, und die lila Schlange lag noch immer auf dem Boden. Doch nun war sie gefüllt. Jason saß auf einem Stuhl, in Stille, vor dem blutverschmierten Tisch. Tränen hatten aufgehört zu fließen, als er aufgehört hatte, gegen das Übelkeitsgefühl zu kämpfen. In diesem Moment war er einfach nur erstarrt. Seine honigfarbenen Augen schienen dunkler und schlitzförmiger zu werden. Die Leiche war fort, in dem Mund der Schlange liegend, gemeinsam mit dem letzten Bisschen von Jasons Menschheit.
„Wie konnte so etwas nur passieren? Wie bin ich nur zu diesem Punkt gekommen?“.
Und die Antwort war lediglich ein Name: Amelia.
Oh, Amelia, seine Kindheitsfreundin. Die einzig Wahre! Denn, bevor sie gekommen war, war Jason immer ein Kind, tief in seiner Stille gewesen. Tief in seiner eigenen Welt.
Seine Eltern waren streng, wollten ihn dauerhaft lernen sehen. Dazu kam, dass in dem Haus, in dem er lebte, Spielzeuge verboten waren. Mum und Dad waren keine schlechten Menschen, ihm war bewusst, dass sie ihn liebten, und es einfach nicht zeigen konnten. Wie jedes Elternteil wollten sie, dass ihr Sohn perfekt sei, mit einer brillanten Zukunft, aber dieser Druck war zu viel für ein 9-jähriges Kind. Jason gab alles war er konnte, um sie stolz zu machen: er war ein Vorbildschüler, und gehorsam. Trotz seiner Hingebung, war es nie genug gewesen.
Auch wenn er keine Spielzeuge zuhause haben konnte, hatte Jason ein paar kleine Holzfiguren gebaut und sie im Schulgarten versteckt. Weit außer Reichweite seiner Eltern konnte er so mit ihnen spielen, ohne dafür bestraft zu werden. Er versteckte sie unter der Erde, wie ein unbezahlbarer Schatz. Bis eines Tages, ein Kind namens Amelia ihn bemerkte.
Um ehrlich zu sein, es war eine Lehrerin gewesen, die sie gebeten hatte, auf Jason zuzugehen. Sie war ein strahlendes und freundliches Kind, während er verlegen und schüchtern war. Jeder Versuch ihn dazu zu bringen, auf andere zuzugehen, scheiterte und nach einiger Zeit machten sich Gleichaltrige über ihn lustig. Die Lehrerin hatte Jason nur helfen wollen, was einigermaßen geklappt hatte, mit Amelia als Opfer.
Jason war nicht schwach, ganz im Gegenteil, er war ein perfekter Manipulator und ein Meister der Täuschung. Er war wie ein Wolf im Schafspelz. Doch er bekam zugetan zur kleinen Amelia.
Er fügte ihr nie Schaden zu, tatsächlich wollte er ein guter Freund sein und sie beschützen. Könnte man das als eine normale Bindung bezeichnen? Eine nette Freundschaft unter Kindern? Absolut nicht.
Was Jason selbst nicht verstehen konnte war, dass vielleicht die fehlende Beziehung zu seinen Eltern, eine extreme affektive Abhängigkeit herstellte. Er wollte immer das Wichtigste für Amelia sein, er mochte es zu sagen, dass er der einzige Freund war, den sie brauchte. Und er machte sie so unsicher. Jason sehnte nicht nach Liebe, vielleicht nicht einmal Zuneigung, er wollte gelobt werden. Er wollte wichtig für jemanden sein. So fühlte er sich.. am Leben. Er fühlte sich, als würde er existieren und das war wundervoll.
Er wollte es immer und immer wieder fühlen, also ließ er Amelia glauben, dass die Welt ein Ort voll böser Leute war, und alle, die eingriffen, würden dafür bezahlen.
Diese starke Abhängigkeit und die Manipulationen ließen Jason oft schlechte Dinge machen. Wie mit Lucy, Amelias Freundin, die als Erste auf die Schaukel wollte, und er sie so schnell an schubste, dass sie herunter fiel und sich das Handgelenk brach. Oder Jonathan, der Amelia immer nach Buntstiften fragte, der die Schultreppen hinunter geschubst wurde. Jason schubste ihn, als Jonathan ihm den Rücken zuwandte, wie ein Feigling, denn er wusste, dass niemand ihn beschuldigen würde. Und auch Jonathan, wie jeder andere der zwischen sie kam, hörte auf mit Amelia zu reden.
Je mehr Jason wuchs, desto gefährlicher und gehässiger reagierte er, ohne seine vorherigen Taten herunterzuschrauben! In der Zwischenzeit schien die arme, naive Amelia, betäubt von Jasons Freundlichkeit und seinen netten Worten, sich nicht um diese Vorfälle, die um sie beide herum geschahen, zu kümmern. Oder vielleicht in anderen Worten, sie wollte es nicht wahrnehmen.
Als Jason erwachsen war, beschloss er, einen Spielzeugladen zu eröffnen und seine Eltern warfen ihn aufgrund dessen aus dem Haus. Was eine Enttäuschung! Nach Jahren von harter Arbeit entschied sich ihr Sohn für einen so dämlichen und schändlichen Beruf. In Kontrast zu dem, was sie sich ausmalten, war Jason glücklich und wurde zu einem talentierten Spielzeugmacher.
Ihm war nicht zu wenig an Fantasie, Leute jeden Alters kauften seine Kreationen, und er hatte seine treue Freundin an seiner Seite. Es wäre wundervoll gewesen, hätte die Geschichte hier geendet, aber die perfekte Welt, die Jason gebaut hatte, hielt nicht länger an.
Wie jeden Abend besuchte Amelia ihren Freund, während er den Laden schloss, um ihm Gesellschaft zu leisten. Jason musste das Chaos beseitigen, dass diese dämlichen Kinder veranstaltet hatten, also zog er seine beige Weste aus, damit es bequemer war, und zog die Ärmel seines weißen Shirts hoch.
Amelia sah sich um, ein nostalgisches Lächeln im Gesicht, „Denk mal daran, Jason. Du hast mit einer Holzfigur gestartet und kannst jetzt all das hier machen. Du bist glücklich, nicht wahr?“.
„Ich muss vermutlich ja sagen, auch wenn ich anfange Kinder zu verabscheuen“, antwortete er, „Sie ruinieren alles, was sie anfassen“.
„Gewöhne dich daran, sie sind deine treusten Kunden!“, sie machte sich über ihn lustig, während er nur schnaubte.
„Ich weiß das es seltsam ist. Ein Spielzeugmacher der Kinder hasst“, Amelia antwortete nicht, aber ihrem kleinen amüsierten Lächeln zu urteilen, stimmte sie ihm zu, „Ich habe mich dazu entschlossen, Spielzeugmacher zu werden, weil ich meiner Fantasie gerne Gestalt gebe… Weil du die Erste warst, die mir das gesagt hat“.
„Du warst gut darin, Holzfiguren zu machen, also dachte ich, dass du so etwas beruflich machen solltest. Ich bin froh, dass du auf mich gehört hast.
„Gute Freunde machen so etwas“, antwortete der Spielzeugmacher, „Und damit man das auch ist, muss man ein paar Dinge tun“.
Verwirrt sah Amelia ihren Freund an: „Was meinst du?“.
Jason zuckte mit den Schultern und lächelte ihr zu, „Erinnerst du dich an den pinken Brief?“.
Oh. Natürlich erinnerte sich Amelia daran! Es war einer der unangenehmsten Tage ihres Lebens.
Als sie 15 gewesen war, hatte sie sich in einen Jungen aus der Parallelklasse verliebt. Sie traute sich nicht, ihm ihre Gefühle zu gestehen, und natürlich verschreckte Jason sie wie normal, „Wenn Andere deine Schwächen herausfinden, war es das. Ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist“, hatte er gesagt, aber Amelias Freundin hatte dem nicht zugestimmt. Sie ermutigte Amelia, und gab ihr Vorschläge, was sie in dem Brief schreiben sollte, und dann würde sie ihn hinbringen…. Aber etwas lief schief.
Der Brief verschwand von Amelias Ranzen und war an das schwarze Brett in der Klasse des Jungen genagelt. Er sah, wie der Brief herumgereicht wurde, von den anderen Jungen, die Amelias Geständnis mit einem verächtlichen Tonfall vorlasen. Er hörte das Lachen, die nicht wirklich lustigen Witze. Aber der Name, den sie riefen, war nicht Amelias… Es war der, von ihrer Freundin, die sie ermutigt hatte.
Die Anderen machten sich das ganze Jahr über sie lustig, und am Ende wechselte sie die Schule. Amelia sah sie nie wieder. Die ganze Zeit hatte sie gedacht, sie hätte wie ein Feigling gehandelt, und doch hatte Jason es getan.
„Wie konntest du mir das nur antun? Warum?“, die Worte kamen nur mit Anstrengung heraus.
„Ich habe dich beschützt. Wie ich es immer getan habe", Jasons Gesicht zeigte nicht ein kleines bisschen Reue.
„Das heißt es nicht, jemanden zu beschützen!“, Amelia war wütend. Doch das, was ihr auf die Nerven ging, war seine flache Attitüde, „Das werde ich dir niemals verzeihen, Jason“.
Schnell verließ sie den Laden, und schlug die Tür mit voller Wucht hinter sich zu. Jason folgte ihr, aber er setzte keinen Fuß über den Haupteingang. „Bist du vielleicht wütend?“
Offensichtlich antwortete sie nicht und ging direkt nach Hause. Sie war so wütend, dass sie jeden, der in ihr Sichtfeld kam, umgefahren hätte, wie ein bremsloser Zug. Als sie aber zuhause angekommen war, schloss sie sich in ihr Zimmer ein und begann zu weinen.
Amelia weinte nicht nur für den Brief, sondern für all die Leute, die Jason von ihr abgebracht hatte. Es war wie, als würde sie von einem langen Traum aufwachen. Jahrelang hatte sie es nicht gestört, weil sie Angst gehabt hatte, ihn zu verlieren und den Grund nicht wirklich verstehen konnte. Vielleicht war sie nur ein Narr, oder vielleicht mochte sie das Gefühl, das Wichtigste zu sein, wenn Jason ihr Komplimente schenkte.
Sie hatte all diese Freunde gehen lassen, gedacht, dass sie untreu gewesen waren, aber der Einzige, der wirklich aus ihrem Leben verschwinden sollte, war der großartige und unschuldige Jason!
Auf der anderen Seite, verblieb der Spielzeugmacher in seinem Laden, und als er alles erledigt hatte, schloss er sich in seine kleine Werkstatt ein. Er breitete Laken auf dem Sofa aus und legte sich hin. Dem fremden Eindruck nach zu urteilen, war sein Gemüt nicht das beste, er verhielt sich wie ein richtiges Arschloch. Aber es tat ihm wirklich leid, dass Amelia so sauer auf ihn war.
Er entschied sich, dass am nächsten Tag, wenn seine Freundin ihn wieder besuchen würde, er sein Bestes geben würde, sie runterzubringen. Im Gegensatz zu seinen Erwartungen, tauchte Amelia am nächsten Tag nicht auf. Und auch nicht am Tag danach, oder am Tag danach.
Einen Monat später hatte Jason gar keine Neuigkeiten über seine Freundin. Seine männliche Würde hinderte ihn daran, einfach bei ihr zu klingeln. Aber die Zeit half ihm dabei, darüber nachzudenken, wie ihm verziehen werden würde. Er war sich unsicher darüber, seine Taten vergeben zu bekommen. Er konnte es nicht verstehen, aber dennoch kannte er Amelia vollkommen und benötigte nichts anderes, als sie ihre Wut vergessen zu lassen. Ein Spielzeug würde genug sein, aber Jason fabrizierte etwas sehr Besonderes: eine Musikbox.
Er kaufte sie nicht, sondern kreierte sie mit seinen eigenen Händen. Und nachdem er mit seiner harten Arbeit fertig war, waren seine Hände voll von Wunden und Holzsplittern. Aber das war nicht die einzige Überraschung.
Der wichtigste Teil des Geschenkes, das Kostbarste von allem, war eine kleine Figur, die ihm verblüffend ähnlich sah, versteckt im Inneren der Musikbox. Eine Überraschung, die noch eine in sich trug!
Die Figur war so groß wie eine Handfläche, genau wie Jason angezogen, hatte die gleiche Haarfarbe wie er und zwei schwarze Knöpfe als Augen.
„Nicht so schön wie das Original, aber sie wird es mögen!“
Seine Hoffnung war im Inneren der Figur gespeichert, genau wie seine tiefe Angst und Kummer, die ihn verfolgte. Er wollte nur jemanden in seinem Leben, der ihn schätzte und nichts anderes brauchte, als seine Gesellschaft. Er wollte, dass jemand zu ihm aufsah, er wollte wichtig sein. Denn es war so ein wundervolles Gefühl, wenn jemand seine Hilfe brauchte. Wie in der vorherigen Diskussion, als Jason existieren und nicht wie ein Objekt sein wollte.
Die Figur hätte eine Art Glücksbringer für ihn sein sollen. Aber nachdem, was er für sie kreierte, schien alles schief zu gehen.
Für Jason war es erst der Anfang.
Drei Tage nachdem er seine beiden Geschenke hergestellt hatte, schaffte Jason es nicht, den Raum zu verlassen. Es war Montag und Leute warteten vor seinem Laden und fragten sich, warum dieser nicht geöffnet war. Jason fühlte sich nicht gut. Er hatte fürchterliche Kopfschmerzen und bekam kalte Füße. Außerdem wollte er nicht länger warten, also verließ er seinen Laden durch die Hintertür und machte sich auf den Weg zu Amelias Haus, seinen schmerzenden Körper dafür opfern.
Als er an ihrer Tür klopfte, erwartete er ihr Gesicht zu sehen, mit diesem schokoladen- farbigen Haar und ihren blauen Augen, doch es war ihre Mutter, die die Tür öffnete, und ihr Gesichtsausdruck gab ihm den Eindruck, dass dies kein fröhlicher Besuch war.
Jason räusperte sich, „Guten Morgen, Madame, ist Ihre..“, und in genau diesem Moment, trat Amelia hervor und stellte sich neben ihre Mutter. „Hi, Amelia.
Sie sah zu Boden und ihre Wangen glühten rot, „Hi…“.
„Warum bist du hergekommen?“, unterbrach ihre Mutter die peinliche Stille.
Jason's Lippen verzogen sich zu einem Lächeln und zeigte seine wertvolle Musikbox, „Ich wollte dir dieses Geschenk vorbeibringen, um es wiedergut zu machen. Ich habe es mit meinen eigenen Händen gebaut, und innen verborgen ist eine weitere Überraschung!“.
Für einen kurzen Moment funkelten Amelias Augen. Sie war sich unsicher, ob sie Jasons Geschenk annehmen sollte. Sie war fast überzeugt, ihm zu verzeihen.. aber dieses Lächeln von ihm verzauberte ihre Mutter nicht. Das hatte es nie getan, nicht einmal, als Jason noch ein scheinbar unschuldiges Kind gewesen war.
Sie hatte immer gedacht, dass seine Attitüde merkwürdig war. Seit diesem kleinen Geschehen.
Sie erinnerte sich daran, dass sie Snacks machen wollte, und die kleine Amelia war ihr gefolgt, um zu helfen. Währenddessen war Jason alleine mit dem Kanarienvogel ihrer Tochter. Es war ihr erstes Haustier und Amelia hing sehr daran. Dann tauchte Jason auf und merkte an, dass sich der Vogel nicht mehr bewegte. Die drei kehrten ins Wohnzimmer zurück, und die arme Amelia fing an zu weinen. Während Jason an ihrer Seite war, strich er ihr über den Rücken und sagte, dass sie sich nicht sorgen sollte, dass alles in Ordnung werden würde. An dem Satz war nichts falsches, Jason wollte Amelia nur beruhigen. Aber ihre Mutter übersah das fast unsichtbare Lächeln nicht.
Viele Male merkte sie gegenüber ihrer Tochter an, dass etwas falsch mit dem Jungen war, aber das kleine Mädchen hörte nie auf sie. Nun aber, riss ihr der Geduldsfaden. „Amelia will nicht mehr mit dir befreundet sein, Jason. Und es ist vielleicht besser so, vertrau mir.
Jason zog seine Augenbrauen hoch. „Was?“, fragte er erstaunt, und sah Amelia an. „Aber.. Warum? Ich war immer an deiner Seite, du hast immer auf mich zählen können“, sagte er, aber Amelia sah immer noch zu Boden, wie ein getretener Hund, „Ich habe das Geschenk für dich gemacht, bitte!“.
Jason drückte Amelia die Musikbox in die Hand, aber sie wies sie fast unwillentlich ab. Mit dieser Geste, in diesem Moment, spürte Jason einen starken Griff an seinem Herzen. Ein stechender Schmerz ließ ihn sein Gleichgewicht verlieren.
„Geht es dir gut?“, Amelia fiel seine Reaktion auf, und sah dem Jungen endlich in die Augen.
„Wie… wie könnte es mir gut gehen?“, Jason hatte Schwierigkeiten zu atmen, „Ich war immer an deiner Seite, trotz all dieser Dinge, die ich tat, und die du als unverzeihlich ansahst. Und jetzt tust mir das an“, sagte er, „Was ist das? Eine Bestrafung? Rache? Es kümmert mich nicht mehr“, er sammelte seine Kraft, und sah Amelia an, „Ich dachte du wärst klug, aber anscheinend war das mein einziger Fehler.“
Zufrieden mit Amelias tränenden Augen drehte Jason sich um und ging zurück zu seinem Laden.
Für mehrere Wochen war Jason nicht mehr derselbe. Er war wütender, und seine Gesundheit wurde schlechter. Er wollte nur mit seinem Leben weitermachen, aber dann geschah dieser Zwischenfall mit dem kleinen Mädchen.
Als er auf diesem Stuhl saß, in die Leere starrend, und mit blutenden Händen, spürte Jason, dass sich etwas in ihm für immer änderte. Er fühlte nicht nichts mehr, und sein Körper veränderte sich. Er ließ die Depression nicht Kontrolle an sich reißen, und er war nicht traurig.
Er mochte diese Realität nicht mehr.
Während er sich Gedanken machte darüber, die kleine Stadt zu verlassen, hörte er seinen Namen in Amelias Stimme aus dem Laden ertönen.
Er überreagierte nicht, wollte aber auch nicht seinen Schwanz wie ein Hund wedeln. Er dachte nur daran sich aufzufrischen, und öffnete ohne zu zögern ihr die Tür.
Amelia bemerkte sein emotionsloses Gesicht sofort, und nach einem Moment Stille, fing sie zuerst an zu sprechen, „Kann ich hereinkommen?“
Jason bewegte sich leise, er ließ sie durch und schloss die Tür, das Türschild auf „GESCHLOSSEN“, drehend.
Amelia wusste, dass etwas seltsam mit Jason war, aber nicht nur das… Da war auch ein seltsamer Geruch in der Luft.
„Es gibt nichts mehr zu sagen, und um ehrlich zu sein, ist das gerade unpassend für mich.
„Geht es dir gut? Du schwitzt“, fragte sie. Jason sah sich um, sich wie ein Fisch aus dem Wasser fühlend. Und Amelia legte ihre Hand auf seine Schulter. „Sag mir, was mit dir los ist. Fühlst du dich krank?“.
Er nahm einen tiefen Atemzug. „Ich.. Ich habe ein kleines Mädchen umgebracht“, ihre Augen weiteten sich und langsam, überfordert, nahm ihre Hand von ihm, „Ich schwöre, es war ein Unfall und ich wollte nicht ins Gefängnis dafür und ich….“
„Fahre fort“, sie hatte eigentlich Angst vor dem, was sie als nächstes hören würde, aber Jasons Stottern ließ Raum für Imagination frei, und das war noch schlimmer.
„Ich habe die Leiche zerstückelt und in einer Puppe versteckt“
Ja, vielleicht war es besser, keinen Raum für Vorstellungen freizulassen, und diesen grauenhaften Wörtern, die Jasons Mund verließen, nicht zuzuhören. War er wirklich fähig, so etwas zu tun? Er war nicht unschuldig, das wusste sie nur zu gut, aber sie hätte sich nie vorstellen können, dass Jason dem Mord fähig war. Man musste Ruhe in diesen Situationen bewahren, und es gab nur eine Lösung.
„Jason, du musst dich freiwillig stellen.
Der Spielzeugmacher, der bis zu diesem Moment wie eine gefangene Maus ausgesehen hatte, nahm seine Hände von seinen Schläfen und starrte Amelia an. Sein Blick war überrascht, als ob er plötzlich hintergangen worden wäre.
„Willst du… Willst du wirklich, dass ich das gestehe? Du weißt ganz genau, wie das enden wird!“.
„Du musst es versuchen, Jason. Du kannst nicht einfach so tun, als wäre nichts passiert! Man wird nach ihr suchen, und früher oder später werden sie sie finden!“.
„Ich kann das nicht, Amelia!“, knurrte er.
„Gut, dann mach ich es eben für dich!“.
Jason wurde sofort still, sie mit großen, erstaunten Augen anschauend. „Wie kannst du es wagen, mit so etwas anzutun?“.
„Es ist für dein eigenes Wohl.
Er lachte hysterisch. „Bring mich nicht zum Lachen! Ich habe immer versucht, dich zu einem besseren Menschen zu machen, aber ich verstehe, dass du dem nicht würdig bist. Ich empfehle dir, mich nicht mit deinem Bullshit zu provozieren“.
„Denkst du, dass ich es nicht tun würde? Du wirst schon sehen!“.
Sie drehte sich zum Ausgang, aber natürlich stoppte Jason sie, an ihren Haaren ziehend. Die beiden starteten einen Kampf, und Amelia wurde klar, dass, wenn Jason einmal getötet hatte, er es erneut tun konnte. Sie hatte Angst, dass sie als Nächstes dran war. In der Tat, sie wäre die Nächste gewesen.
Sie hätte sich anders verhalten sollen, und vielleicht so tun, als würde sie ihn unterstützen. Aber, wie jedes andere Mal auch, hatte sie die falsche Entscheidung getroffen. Jason war korrekt, sie war wirklich dumm. Sie war es immer gewesen, oder vielleicht hatte er sie sich so oft minderwertig fühlen lassen, dass sie gedacht hatte, es wäre so. Wer wusste das schon?
Um sich selbst zu schützen, schaffte Amelia es, einen Schraubenzieher vom Balkon zu stehlen, hatte aber noch nicht die Chance gehabt, ihn einzusetzen. Sie konnte nichts gegen Jason tun, und als er sie gegen die Wand knallte, war der Aufprall so gewaltsam, dass Amelias Kraft sie sofort verließ. Sie fiel zu Boden, und ihr Kopf begann fürchterlich weh zu tun… aber Jason stoppte. Sie schaute hoch und sah den Schraubenzieher in seinem Herzen stecken. Er stand still und sah überfordert mit dem feststeckenden Objekt aus, während der Blutfleck auf seiner Weste immer größer wurde.
„Du verdammte… Schlampe!“, er packte den Schraubenzieher, zog ihn heraus und warf ihn gewaltsam auf den Boden. Dann packte er sich, und trocknete den Schweiß von seiner Stirn, „Das war nicht sonderlich nett von dir, Amelia!“, er kam näher an sie heran und trat ihr ins Gesicht. Der Einschlag ließ sie erstarren, aber nicht genug, dass sie ohnmächtig wurde, und so stand sie zurücklehnend.
„Es tut mir leid, dass das so endet, meine liebe Amelia“, er gluckste, „Nur ein Spaß. Um ehrlich zu sein, ist es mir egal“, ihre Sicht war leicht verschwommen, aber das Objekt, das der Spielzeugmacher hielt, war unverkennbar eine Handsäge.
Sie wusste, es war ihre Zeit zu sterben, und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Würde sie viel leiden? Wie lange würde ihr Tod dauern? Würde sie von Blutverlust sterben, oder von den anhaltenden Schmerzen?
Trotz des Terrors, den sie fühlte, beschloss Amelia wegzurennen, aber ihr Körper war zu langsam. Sie drehte sich trottelig zur Seite, aber Jason trat auf ihre Schulter und renkte ihr die Schulter aus.
Ihre müden Augen starrten den Spielzeugmacher an, und sie sah, wie er mit seinem Finger über die eisernen Zähne des Werkzeugs strich. Sie hätte schwören können, dass er die letzten Momente vor dem Massaker genoss. Doch dann bemerkte sie, wie Jason seine Hand senkte, und seufzte. „Es gibt viele Sachen, die unbegreiflich für Menschen sind. Manche können es sein, andere können es nicht. Wir denken, dass wir jedes Geheimnis unserer Welt wissen, aber die Wahrheit ist, wir wissen einen Scheißdreck“.
„Was.. Was redest du da?“, fragte Amelia, auch wenn diese Aktion schwer verständlich für sie war.
Jason fand sich mit ihr ab und schüttelte seinen Kopf. „Du bist zu naiv, du verstehst es nicht“, langsam bewegte er sich von ihr weg, „Du brauchst keine dumme Sternschnuppe, um deinen Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen, wenn es wirklich heftig ist. Wir sind die, die das Unmögliche möglich machen“,
Vielleicht war es die Delle, die sie halluzinieren ließ, aber nachdem Jason gesprochen hatte, schien die Wand hinter ihm anzuschwellen. Die Wand bröckelte, und eine blaue Tür mit einem goldenen Knauf tauchte auf.
„Ich weiß nicht wie, aber diese Puppe wurde zu meinem Herzen“, Jason hatte die Musikbox geöffnet in seiner Hand, und schaute sie mit einem mehr verwirrten Ausdruck an, „Der einzige Platz, an dem ich sie beschützen kann, ist innerhalb dieser Musikbox. Aber sie sollte ein Geschenk sein, und ich will sie jemandem geben, der deinen Platz einnimmt. Jemand klügeres, der neben mir stehen kann: ein Auserwählter“.
„Niemand..“, flüsterte Amelia müde, „Niemand wird ein Monster wie dich wollen!“.
Jason, der in der Zwischenzeit die blaue Tür geöffnet hatte, drehte sich zu dem Mädchen um und lächelte: „Mein Name ist Jason und bedeutet ‚der Heilende‘. Wusstest du das? Natürlich nicht“, sein Gesichtsausdruck war arrogant, „Jeder könnte dich ersetzen. Und wenn sie meine guten Absichten nicht verstehen, werde ich sie reparieren. Schließlich kann ein kaputtes Spielzeug immer repariert werden“.
„Was? Du bist doch verrückt! Leute sind nicht wie deine dämlichen Puppen!“, schrie Amelia, „Wo willst du hingehen? Du… Du wirst nicht wegrennen!“.
„Ich renne nicht weg, du Idiot.. Keine Sorge, ich werde zurückkehren“.
Amelia begann zu zittern, als sie dieses falsche Lächeln ansah. Sie fühlte sich machtlos, als sie sah, wie er hinter der Tür verschwand.
Das Holz fiel in sich selbst zusammen, die Splitter wurden zu kleinen Stücken auf dem Boden, und die Wand war wieder heile, als wäre nichts zuvor da gewesen.
Amelia verbrachte ihr restliches Leben damit zu denken, dass Jason jeden Moment zurückkommen würde, um ihr weh zu tun. Die Wahrheit aber ist, dass Jason sich entschloss, ihr Leben zu verschonen.
Ihr war nicht bewusst, wie viel Glück sie hatte. Denn niemand nach ihr würde seine Gnade verspüren… wie diese Wachspuppen jeden Alters, die sich mehr und mehr vermehrten. Und diese Puppen, die lebendig werden konnten, waren die einzigen, stummen Zeugen in der großartigen und doch furchtbaren Welt von Jason, dem Spielzeugmacher.
Translated by Noah - Instagram
